Blik_Head_Biografie



Neu in der Szene unterwegs sind diese fünf Jungs aus Düsseldorf nicht mehr. Bereits in den 90ern haben sie in Bands wie Monkeys with Tools, P-Whips, Krombacher MC, Valvoline u.a. ihr Unwesen getrieben. Anno 2004 hat man sich dann entschlossen mit einem groovenden Mix aus Pop und Alternative-Rock, beeinflusst von Crossover und Rap gepaart mit deutschsprachigem Gesang unter dem Namen BLIK deutsche Bühnen unsicher zu machen. Ende 2005 wurde Toten Hosen Erfolgsproduzent Jon Caffrey auf die fünf Düsseldorfer aufmerksam. 2007 erschien dann die erste EP "Alles Getan" auf dem Bandeigenen Label. 2008 erscheint nun endlich die LP "Nachbarschaft". Alles dazu, über die deutsche und die düsseldorfer Musikszene und über lange Haare könnt ihr hier nachlesen.


1. Einige von Euch hatten früher (sehr) lange Haare! Heute legt Ihr mehr Wert auf gepflegtes Aussehen? Hat das etwa was mit verspäteter Jungdynamik zu tun?

Ich würde WIRKLICH nicht sagen, dass einer von uns gepflegt aussieht! Es ist in der Tat so, dass wir anziehen was wir anziehen und jeder die Haare so lang hat wie er sie eben hat. Dass wir uns über Style und Aussehen relativ wenig Gedanken machen, kommt SEHR unserer Authentizität zu Gute. Sorry für den platten Begriff, aber die ist ja genau das, was die Leute am meisten an uns schätzen.

2. Wofür steht der Name BLIK ?

BLIK steht für „WAHRNEHMEN UND WAHRGENOMMEN WERDEN“ Du nimmst über deinen BLIK deine Mitmenschen wahr und gibst wiederum etwas über dich und dein Innerstes preis, etwas unverfälschtes, etwas rein intuitives. BLIK ist die Schnittstelle zwischen Innen und Aussen. BLIK steht für das Antlitz, für Wahrhaftigkeit. Dein BLIK verrät alles. BLIK steht für die Haltung: „Ich sehe dich und achte auf dich und weiss das auch ich gesehen und beachtet werde“.

3. Seit Ihr musikalisch die logische Quintessenz Eurer ehemaligen Bands (Monkeys with Tools, Krombacher MC, P.Whips, etc.)?

Gute Frage. Es ist zumindest der kleinste gemeinsame Nenner unserer aller Geschmäcker, Vorlieben und Wurzeln. Wir achten kaum bewusst auf die stilistische Entwicklung der Lieder, sondern arbeiten eigentlich nur nach dem Motto „funktioniert, oder funktioniert nicht“. Wenn man unsere früheren Bands kennt, findet man uns aber natürlich wieder. Abgeshen vom musikalischen Genre, brachte Franky es mal auf den Punkt: „Diese Band ist die Belohnung für den ganzen Stress den wir über die Jahre erlabt haben.“ Es ist zT. wirklich entspannt bei BLIK.

4. Wie kommt Ihr zu der Zusammenarbeit mit Jon Caffery, der ja sonst auch gerne für die Toten Hosen die Regler schiebt?

Happi kannte ihn von der Zeit mit TV Smith. Er hat ihm dann einfach mal ein Demo geschickt, um zu fragen, was er an unserer Stelle tun würde. Er hat coolerweise SOFORT angerufen und wollte wissen ob wir uns eine Zusammenarbeit vorstellen könnten. Und wir konnten uns das vorstellen und er hat angefangen unsere Songs zu mischen. Wir hatten zum Glück schnell einen guten Draht, er ist ähnlich unangestrengt wie wir und weiß was ihm gefällt und was nicht. Die Zusammenarbeit hat uns ein gutes Stück nach Vorne gebracht.

5. Gibt es im Bereich Deutsch-Pop noch unentdeckte Klang und Beat - Oasen? Oder anders: Wie schreibt Ihr die Songs?

Ich habe unfertige Sachen, also Text, Melodie und ein, zwei Akkorde. Die bringe die dann mit. Die Jungs, die alle was von Harmonielehre verstehen und auch einen gewissen lyrischen Anspruch haben, machen dann ein Lied daraus. Oft krämpeln wir alles komplett um. Matje (Drums) bringt ein Gitarrenriff ein, Monti (Keyboard) eine Textzeile. Meist alles im Proberaum, oft aber auch in Frankys Studio, wo wir am Computer etwas skizziern, Strophen einsingen, Keyboardriffs ausprobiern und testen was poppt und was nicht. Macht beides Spaß. Welche Variante besser ist haben wir noch nicht herausgefunden.

6. Seid ihr Profis mit gepflegtem Hobbyanspruch oder Hobbymusiker mit ausgeprägten Profiambitionen? Anders: Wo geht die Reise hin?

Ganz ehrlich: wir tun was wir tun. Wir versuchen die Songs so cool zu machen wie es nur eben geht. Wir wollen live möglichst rocken und unterhalten. Auch die Produktion soll so gut werden wie´s nur eben geht. Auch mit dem sogenannten Marketing versuchen wir einigermaßen professionell zu sein. Was auf dieser Basis kommt, das kommt. Wir können also praktisch nicht „scheitern“ nach oben hin ist aber alles offen.

7. Ihr spielt auch gerne Akustik-Sets. Ist das eine eigenständige Perspektive oder macht Ihr das nur mal so zum Spaß?

Jon Caffrey hat uns mal zu einer Akustikshow im Vorprogramm der „Kaum Unglaublichen“ überredet. Es hat wirklich Spaß gemacht und wir habens weiter optimiert. Viele kleinere Veranstalter lieben unplugged: Es ist leise und unkompliziert. Ausserdem kommen die Songs z.T. ganz anders zur Geltung. Wir haben Lieder die so besser funktionieren als laut. Im Großen uns Ganzen macht das fette Set aber wesentlich mehr Spaß.

8. Mia, Madsen, Sportfreunde Stiller, Tomte, Tocotronic. Hört Ihr so was und wer ist bei dieser kruden Aufzählung Eure No.1?

Die meisten von uns haben sich in den zeitgenössischen Deutschpop nicht intensiv reingehört. Was natürlich klasse ist, ist dass deutschsprachiger Pop mittlerweile so eine Selbstverständlichkeit hat, die er früher nicht hatte. Das Schöne ist auch, dass die Spreu sich gut vom Weizen trennt: wenn z.B. Alexander Klaws oder Thomas Godoy „jetzt auch auf deutsch singen“ hört man sofort obs ein bißchen Tiefe hat oder nur Trash ist. Ich persönlich finde die o.g. Acts fast alle gut, bin aber von keinem wirklich Fan. Ausnahme aus der Riege ist Kettcar! Die waren und sind mit ganz großem Abstand die Besten.

9. Wo habt Ihr Euer neues Album aufgenommen? Warum?

Alles im eigenen Studio in D'dorf-Heerdt. Wir hatten alles was wir brauchten. Matje ist über einen knallharten Deal an ein 23 (ein Kanal defekt) Spur Otari-Bandmaschiene rangekommen (stand vorher bei „skyline“ alle Größen haben schon ihren Salmon auf sie drauf gespielt). Die Otari wog ca. 1mio. Tonnen und hatte diesen klanglich so warmen Effekt der „Bandsättigung“, von dem kein Experte weiss ob es ihn wirklich gibt, geschweige denn, ob er hörbar ist. Die Dicke hat sofort nach den Aufnahmen den Geist aufgegeben und hat zum Glück bei eBay noch n paar € gebracht. Man hat sie mit einem LKW abgeholt.

10. Warum heisst das Album: "NACHBARSCHAFT"

Einer der Songs heist ja auch "Nachbarschaft": Die Welt rückt immer mehr zusammen. Großstädte werden einander immer ähnlicher. Deshalb auch das Flugzeug auf dem Cover. Ob wir von Barcelona, Hamburg oder London sprechen ist egal: Es liegt alles nur wenige Minuten voneinander entfernt und du triffst überall auf die gleichen Lebensumstände und Probleme. Das heisst: Alles ist Nachbarschaft. Für die Menschen macht es kaum einen Unterschied, ob sie ihre H+M Jeans in Paris oder Berlin kaufen. Das ist zwar irgendwie Horror, macht aber deutlicher, dass wir ja wirklich alle Brüder und Schwestern sind.

Spezialfrage 10a, bzw.: 11;-)) Wie findet Ihr die Musikszene in Düsseldorf?

Entgegen allen Behauptungen ist sie nicht totzukriegen. Auch die Güte hat in den letzten Jahren eher zu- als abgenommen. Es existiert zwar alles ziemlich nebeneinander her, aber das macht z.T. auch den Reiz aus. Jeder macht komplett sein eigenes Ding. Es könnte mehr abgehen, aber die Bosse dieser Stadt geben den jungen Leuten ja auch kaum Entfaltungsmöglichkeiten. Man muss sich im Großen und Ganzen aber nicht schämen von hier zu kommen.

Die Fragen stellte Andrew Uhlemann / triggerfish.de

Grischa Bender Gesang & Gitarre
Frank Schwiklewski Gitarre
Happi Mueller Bass
Marc Muntenbruch Keyboards & Gesang
Matej Havranek Schlagzeug & Gesang